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Und so wurde mir das Fremde nahe und ich erkannte das Vereinende

Aktualisiert: 16. Apr.

Ein philosophischer Gastbeitrag von Thomas Wachauer Es gibt Lichtjahre, Parsces und Astronomische Einheiten…und keine dieser unglaublichen Entfernungsmaßstäbe kommt der gefühlten Entfernung meines Zuganges zum Fischen nahe. Es blieb vor allem diese Frage für mich unbeantwortet: wenn ich Ruhe und Meditation suche, warum jage ich dann in so einem verinnerlichenden Moment? Ist die Angelleine die Rettungsleine zum Leben, die mich aus meiner Gedankenwelt zurückbringen kann, um nicht in den Wirren des Kopfkinos verloren zu gehen? - Ich fand sie nicht, die schlüssige Antwort auf diese Frage. Bis ich diesen Blog las.



Es ist die Faszination der Protagonisten, die mich einfing. Und zur tieferen Betrachtung und vor allem Achtung des Angelns - und natürlich ganz spezifisch des Fliegenfischens - brachte.


Was also ist es, das die Fliegenfischer ins eiskalte Wasser treibt, sich von Willhaben-Anzeigen in den Wahnsinn treiben lässt, religiöse Verehrung für Angelrutenbastler entwickeln und beinahe internationale Konflikte mit Italienern verursachen lässt?

Mit Sicherheit ist es auch das Bier

Ist es das Bier und der Schnaps? Auch. Aber eben nur auch. Ist es die Natur? Mit Sicherheit. Dieses Eintauchen in diese Naturinseln ist eine unerschöpfliche Quelle zum Energie tanken, die Bilder wecken die Sehnsucht, sofort alles liegen zu lassen und dorthin zu reisen. Aber dazu muss ich nicht in einem Fluss suchen, das kann ich auch im Wald und am Berg finden.


Ist es das Jagen? Das Empfinden, die Wildheit des Lebens - und wenn auch manchmal nur durch Jagdglück - beherrschen zu können? Bis hin zu der Bestätigung, sich im Kreislauf des Lebens auch ernährungstechnisch bewähren zu können? Und auch, wenn man lieber Cevapcici isst, zumindest bewiesen zu haben, dass man es könnte?


Nein. Mir wurde klar, nichts von alledem ist für sich allein die Motivation, am ehesten wohl noch die Kombination von allem. Aber nein, das ist noch nicht der Ursprung.

Und dann fiel es mir auf: es ist die Liebe zum Leben. Es ist Fokussierung und Loslassen zugleich, Gemeinschaft und Alleinsein, Steuern und sich doch dem Glück überlassen müssen. Und mit all dem das Leben mit Erlebten füllen - der größte Reichtum, den wir uns als Menschen aneignen können.


Und so wurde mir das Fremde nahe und ich erkannte das Vereinende. Und ich kann die Freude mitempfinden, die euch so antreibt, darum von Herzen: Petri Heil!

Achja, dieser Beitrag soll natürlich noch einen dramaturgischen Rausschmeisser haben:

Zwei Angler sitzen an einem See. Es vergeht eine Stunde, nichts. Es vergeht die zweite Stunde, nichts. In der dritten Stunde schlägt ein Angler sein Bein über das andere. Sagt der zweite Angler: „Was ist?! Tua ma Steppen oder Angeln?!“ - Wer diesen Witz versteht, hat bereits den ersten Schritt in Richtung Faszination Angeln getan.

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