• mmahdalik

Daher kommt "Petri Heil!" - und soll man das noch sagen?

Aktualisiert: 21. Apr.

Treffen sich zwei Fliegenfischer am Fluss. Der eine, mit einer prächtigen Regenbogenforelle in der Hand, säuselt dem anderen, noch nicht so erfolgreichen Kollegen, ein "Petri Heil!" zu. Sagt der andere? Logisch! "Geh scheißen!" Aber jetzt im Ernst: Was der Fischergruß mit dem See Genezareth, den Christoph und Moritz von der Fliegendreierbande bereits bereist haben, zu tun hat - und mit welchem Gruß es sich einfacher lebt.



Warum besonders das zweite Wort von "Petri Heil!" einen schalen Beigeschmack hat, muss man nicht groß besprechen. Der Nazi-Gruß klingt in unseren Breiten wohl auf ewig schauerlich nach. Und so zieht man nicht selten befremdete Blicke Dritter auf sich, wenn man Fischerfreunde in dieser Form aufmuntert.

Dass es das "Petri Heil!" natürlich viel länger gibt und alle Verbindungen zum Nationalsozialismus purer Schwachsinn sind, ist selbstredend.

Der Ursprung ist, wie man schon vermuten konnte, ein biblischer - und zwar aus dem Lukasevangelium.

Da gibt es die Geschichte der Fischer am See Genezareth, die den ganzen Tag über keinen Fisch landen konnten (Das gab's also schon damals...).

Am Abend fuhr Jesus mit Petrus auf dessen Boot nochmals auf den See hinaus, um zu den Fischern zu sprechen. Er forderte sie auf, abermals die Netze auszuwerfen - und: Diese waren prall gefüllt.

Kurz zusammengefasst für uns Fliegenfischer: Ein göttlicher Abendsprung!

"Petri" ist also der zweite Fall von Petrus und "Heil" kann man hier gut mit Erfolg deuten. Man wünscht seinen Fischerkumpels also den gleichen Erfolg wie Petrus am See Genezareth.


Da Petrus aber nicht einmal Fliegenfischer gewesen ist und ich mit dem Glauben an Bibelgeschichten so meine Schwierigkeiten habe, hat "Petri Heil!" für mich persönlich maximal nostalgischen Wert, weil ich den Gruß von Kindheitstagen an von meinem Vater und seinen "Petrijüngern" gehört habe.


"Tight Lines!"

Viel sympathischer ist mir ein einfaches "Petri", oder noch mehr der internationale Gruß: "Tight Lines!" Man wünscht seinem Fischerkollegen also eine gespannte Schnur, weil er seinen Köder beim Auswerfen irgendwo in einen Ast gehängt hat...

Spaß beiseite: Die gespannte Schnur ist natürlich gleichbedeutend mit dem Fangerfolg, wenn der Fisch am Haken zieht.

Fazit: Keiner will irgendjemandem "Petri Heil!" madig machen. Ich will jedoch genauso niemanden verstören und so lässt es sich aus meiner Sicht mit "Tight Lines!" deutlich besser leben!


PS: Wusstet ihr, dass man traditionell auf "Petri Heil!" nur dann mit "Petri Dank!" antwortet, wenn man an diesem Tag bereits einen Fisch landen konnte? Sonst erwiderte man auch nur ein (säuerliches) "Petri Heil!"

PPS: Ab an den Fluss!

PPPS: Mein Bruder Christoph legt Wert darauf, festzuhalten, dass er viel mehr für ein biblisches "Petri Heil" ist.

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